Unser Trainingsraum - die Anfänge |
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Wie genau nun der Initiator des Trainingsraumes an unserer Schule, Timo Marquardt, auf diese Idee gekommen ist, bleibt unbekannt. Tatsache ist, dass er mit viel Einsatz und Text den ersten Trainingsraum unserer Schule schuf. Wer einmal in diesem Raum war, ahnt, warum er schnell den Spitznamen "Karzer" bekam. Wenigstens darin waren sich Schüler und Lehrer ausnahmsweise einig ;-). Entsprechend hoch wurde auch zunehmend der Widerstand von allen Seiten: Die Kollegen wollten das Modell nur umsetzen, wenn eine Aufsicht im Trainingsraum wie eine Unterrichtsstunde gerechnet würde. Die Schüler wollten nicht den Mensadienst übernehmen, bloß weil sie "mal Mist" gebaut hatten. Die Eltern wollten ihre Kinder nicht beim dritten Besuch von der Schule abholen, schon gar nicht, wenn der letzte Besuch über ein halbes Jahr her war. |
Wir hatten den beratenden Charakter des Konzeptes grundsätzlich missverstanden. Was nun? Da wir sowieso - gefühlt - mit dem Rücken am Abgrund standen, sahen wir nur eine Möglichkeit: Springen. Also "sprangen" wir mutig und strickten vieles um, so wie es zu unsere Schule passte. So stand es aber nun gar nicht mehr im Buch, der bis dahin gültigen "Trainingsraumbibel" - kommen brave Beamte mit solchen Abweichungen zurecht? Oh ja, sie kommen. Und wie.
Und sie kommen auch damit zurecht, andere Schulen um Rat zu fragen, die das Konzept besser umgesetzt haben - Nachmachen ist nicht immer gleich abschreiben. Teamwork ist nicht nur bei Schulabgängern eine erwartete Schlüsselkompetenz, auch in Lehrerschaften lohnt es sich, arbeitsteilig zu arbeiten, mag es auch mancherorts als "zusammenrotten" empfunden werden. Die Zeiten, in denen Arbeit beschwerlich und der Ertrag niedrig sein muss, sind lange vorbei! Wir dürfen es uns leichter machen! |
Veränderungen im Konzept |
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"Besser machen, nicht abschaffen" war eine unserer Devisen. Und daraus folgte: Mitgestalten lassen. Und zwar die Schüler und Kollegen selbst. Umfragen wurden gemacht, die SV wurde ins Boot geholt, die Sozialpädagogen sahen sich den Trainingsraum an anderen Schulen an, gaben Anregungen an uns weiter. Ein weiterer Kerngedanke wurde die Wiedergutmachung, also das Löschen von TR-Besuchen (s.u.) Der Raum Gottseidank waren auch die Brandschutzprüfer der dringenden Meinung, dass unser Trainingsraum kein Karzer ohne Fenster und Frischluft mehr sein darf und nicht einmal als "Notlösung" dienen kann. Wir mussten - durften - umziehen, trotz chronischen Raummangels unserer Schule. Wir hatten Glück: Zu dieser Zeit beantragten die Künstler unserer Schule einen neuen Vorbereitungsraum, und wir konnten in den bisherigen Kunst-Vorbereitungsraum umziehen:
Klein, aber fein: Fenster zum Schulhof, im Oberstufengebäude, zugänglich für alle, vom Lehrerzimmer aus einsehbar. Wir bekamen Regale und bequeme Schwingstühle von der Schulleiterin gespendet. Dazu ein paar Einzeltische, Stühle und einige Bilder aus dem Kunstbereich. Viel besser! Organisation - Das Team Offensichtlich musste es erst zu dem Punkt kommen, dass eine deutliche Grenze erreicht wurde: "Wenn wir die Stunden nicht bezahlt bekommen, machen wir nicht mehr weiter." Der Trainingsraum auf dem Prüfstand. Zu Recht. Und er hat die Prüfung bestanden. Erstaunlich, woher wir mit Hilfe der Schulleitung die Stunden nahmen, um wenigstens eine 1:2-Bezahlung zu erreichen. Das Team besteht seit dem Schuljahr 2010 aus zehn Kollegen, die Lust (!) und Interesse hatten, dieses bis dato sehr umstrittene Konzept dauerhaft zu tragen und vor allem weiter zu entwickeln - Freiwilligkeit statt Lücke im Stundenplan. Diese Kollegen haben diesen Wunsch dann auf ihrem alljährlichen "Wunschzettel zur UV" eingetragen, so dass es auch für den Trainingsraum einen offiziellen Belegungsplan gab. Endlich. Und es war und ist von großer Bedeutung für dieses Konzept, dass sich gleich zwei Schulleitungsmitglieder in dieses Team eingeklinkt haben. Es war nur noch ein kleiner Schritt dahin, dass wir uns selber gegenseitig vertreten, und diesen Plan auch selbstständig entwickeln und der Orga zur Verfügung stellen. Entlastung auf so vielen Ebenen wie möglich. Um das Konzept zu verändern und alle Teammitglieder an Entscheidungen zu beteiligen, brauchten wir regelmäßige Treffen. An unserer Schule ist der Dienstag der Konferenz- und Team-Tag, und jeder ist froh, wenn er mal einen Dienstag frei hat, das kam also nicht in Frage. Und so kam die Idee des Mini-Teams auf: Wir treffen uns jede Woche, dafür aber nur für 15 Minuten. Und nach 15 Minuten ist wirklich Schluss. Was dann nicht besprochen wurde, muss und kann eine Woche warten. Diese Mini-Teams haben den unschlagbaren Vorteil, dass "first things first" besprochen werden ohne langes Herumgerede. Manches kann noch eine oder zwei, drei Wochen gären, bevor es entschieden wird bzw. die notwendigen Informationen beschafft wurden. Inzwischen ist diese Stunde fest im Stundenplan aller Teamkollegen verankert: ![]()
Weitere Kommunikationshilfe ist unser Mitteilungsbuch, das immer im TR ausliegt. Jeder kann dort Hinweise, Fragen, Anmerkungen usw. eintragen. Es dient als Grundlage für die Mini-Teams, jeder liest es (schon aus Neugier…:) |
Organisation - das TR-Gespräch Jeder Kollege, der den Trainingsraum nutzt, hat ein paar Meldebögen in seiner Tasche. Er schickt seinen Schüler mit diesem Bogen, dem Schülerbuch und Unterrichtsmaterial zum Trainingsraum. Manchmal muss ein Schüler freundlich von einem Klassensprecher oder Kurssprecher geleitet werden, weil er sich sonst in Richtung Wiese oder Stadt "verläuft". ![]() In Schönschrift füllt jeder Schüler zunächst einen Rückführungsbogen aus. (Wie viel Arbeit und Auseinandersetzung, Entscheidungen dieser Bogen beinhaltet, sei an dieser Stelle nur angedeutet. Auch hier haben wir uns Entrümpeln und Loslassen, Vereinfachen und Erleichtern erlaubt…!) ![]() Der Vorfall wird mit dem Lehrer besprochen und geklärt, wie es überhaupt zu der gravierenden Störung kommen konnte. Anschließend werden Möglichkeiten erarbeitet, wie der Schüler beim nächsten Mal anders reagieren kann, um nicht dieselbe missliche Situation wieder mitzuerzeugen. Im Schülerbuch werden festgehalten:
Dieser Termin findet fast immer beim selben Kollegen statt, der den Schüler auch aufgenommen hat und ist die Gelegenheit für den Schüler, seinen Trainingsraumbesuch zu löschen, d.h. den status priori wieder herzustellen (als wäre er nie dagewesen). Der Termin wird im TR-Kalender eingetragen. Hält er den Termin und die daran geknüpften Bedingungen (Verhalten und Fachaufgabe) ein, werden ![]() |
Erfahrungen |
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Seit wir mehr Schüler und Kollegen an der Mitgestaltung beteiligt und unser Konzept für Verbesserungen geöffnet haben, gibt es immer mehr Rückmeldungen, die Zustimmung signalisieren. Wir sind den Rufen der Schüler und Eltern nach Abschaffung des Trainingsraumes sowie den Wünschen der Kollegen nach noch mehr Regeln und Strafen standhaft geblieben. Andere mitgestalten lassen ist nicht dasselbe wie mitentscheiden lassen. Wie machen es andere Schulen? - Öffnung nach außen und sich eingestehen, dass es bei uns nicht optimal läuft, und dass wir uns Hilfe holen DÜRFEN, war sehr erleichternd. Wir haben Mut zu pädagogischen und entlastenden Veränderungen gehabt, der sich ausgezahlt hat. Unsere Arbeit ist anstrengend genug, wir dürfen es uns leichter machen! |
Die TR-Gespräche haben eindeutig an Qualität gewonnen, es ging auch den Schülern nicht mehr um Grundsatzdiskussionen über den Sinn des Trainingsraumes, sondern vermehrt um die Suche nach dem "Kern der Störung" und der Antwort auf die Frage nach dem Umgang damit. Im Kollegium kehrte Ruhe zu diesem Thema ein, das Konzept konnte sich in den Köpfen und Herzen der Kollegen setzen, sie waren entlastet, weil sich ein festes Team Gedanken um das Konzept machte und sich schon Anregungen von außen holen würde, wenn es welche bräuchte. Hatte es bisher auch gemacht. Es entstand fast so etwas wie "Vertrauen in das Konzept", und das ist toll! Veränderungen und Verbesserungen am Konzept sind viel einfacher umzusetzen, seit wir die Mini-Teams haben. |
Die Regeln des Trainingsraums |
Jeder Schüler hat das Recht, ungestört zu lernen!Jeder Lehrer hat das Recht, ungestört zu unterrichten!Jeder muss die Rechte des Anderen respektieren!Diese drei Regeln machen deutlich, warum es an unserer Schule eine Trainingsraum gibt: Wir möchten die Unterrichtsqualität verbessern, die Umsetzung interessanter und schüleraktivierender Unterrichtskonzepte erleichtern, eine angenehme Arbeitsatmosphäre für alle sichern und die Lernzeit besser nutzen und den Lernertrag erhöhen. Diejenigen unter den Schülerinnen und Schülern, denen die Einhaltung der Grundregeln schwer fällt, erhalten im Trainingsraum die Gelegenheit, ihr Verhalten zu überdenken und unterstützt von beratenden Lehrerinnen und Lehrern ihr Verhalten auch dauerhaft zu verändern. Das Training positiven Verhaltens steht also im Vordergrund! Doch aus fortwährenden Unterrichtsstörungen ergeben sich auch disziplinarische Konsequenzen. Das Trainingsraumkonzept funktioniert so:
![]() text&photos: Stefanie Rodin; 11/11 |