Artikel in der RP vom 04.06.2020

VON PAUL KÖHNES

Heiligenhaus Es ist ein Schuljahrs-Endspurt ohne Vergleich: Eltern sehen Zeugnisvergaben im Livestream, Stundenpläne und Unterrichtsformen sind komplett umgekrempelt. Fürs nächste Schuljahr gibt es eine doppelte Strategie.

Die Schulpflegschaft der Gesamtschule hat einen besonderen Termin im Kalender stehen: Erstmals ist ein Treffen im virtuellen Raum geplant, eine Videokonferenz mit 60 Teilnehmern, darunter Schulleiterin Carmen Tiemann als Gast und ihr Stellvertreter Michael Trapp als IT-bewanderter Moderator. Was zu anderen als Corona-Zeiten wohl als kleine, schulische Technik-Revolution durchgegangen wäre, reiht sich im Fall der Gesamtschule diesmal nur ein in eine stattliche Liste von pandemie-bedingten Premieren.

Oder anders gesagt: von Erfahrungen, deren Erkenntniswert sich aus geschicktem Ausprobieren ergibt. Damit hat das Schulleitungs-Duo an der Hülsbecker Straße inzwischen so ausgiebig zu tun gehabt, dass sich zum Schuljahrsende eine gemischte Corona-Zwischenbilanz ergibt.

INFO

Schulausschuss tagt am Dienstag

In der Sitzung im Ratssaal, Beginn 18 Uhr, geht es um Geld für Ausstattung. Titel des CDU-Antrags hierzu: „Überprüfung der Auskömmlichkeit der Mittel für die digitale Ertüchtigung unserer Schulen in der aktuellen Corona-Krise“.

Sicher ist: Auch die Zeugnisvergabe an die Zehntklässler am Mittwoch kommender Woche wird ganz anders aussehen als gewohnt. „Wir hoffen auf gutes Wetter, dann kann ein kleines Programm im würdigen Rahmen auf dem Schulhof stattfinden“, sagt Tiemann. Sollte es regnen, wird jede Klasse einzeln drinnen verabschiedet, Hier gibt es angesichts geltender Hygiene- und Abstandsregeln keinen Spielraum. So gibt es auch keine Chance für Eltern und Angehörige, an der Feier teilzunehmen. Gleiches gilt für die Vergabe der Abizeugnisse am 26. Juni. Aber auch hier ist eine Premiere in Arbeit: Trapp und Tiemann denken über einen Livestream aus der Kant-Aula nach, damit das Geschehen zumindest an Bildschirmen verfolgt werden kann. Neu organisiert werden musste auch das Willkommen für die neuen Fünftklässler. Das gab es bisher in der letzten Woche der Sommerferien, nur scheitert eine solche Feier diesmal ebenfalls am vorhandenen Raum und den Corona-Bestimmungen. „Die Einschulung wird jetzt am ersten Schultag des neuen Schuljahrs sein“, kündigt Tiemann an.

Bis dahin kommt auf die Schulleitung noch eine Menge Arbeit zu. Denn angesichts fortdauernder Unsicherheit über die Pandemie-Entwicklung kann nicht – Stand: 4. Juni – einseitig darauf gesetzt werden, das Schuljahr „wie früher“ beginnen zu lassen. Andererseits ist auch nicht ausgemacht, dass so weiter verfahren wird, wie seit März: mit einer möglichst ausbalancierten Mischung aus Präsenzunterricht, digitalem Lernen daheim (“Distanzlernen“) und Studientagen. Folge: Für das neue Schuljahr müssen je zwei Stunden- und Unterrichtsverteilungspläne da sein.

Offen bleibt einstweilen auch eine dauerhaft tragfähige Lösung, was die Ausstattung aller Schüler mit brauchbarer Computertechnik gehört. „Nach drei Wochen Distanzlernen haben wir per Umfrage herausgefunden: In 25 bis 30 Prozent aller 210 Antworten war von technischen Schwierigkeiten mit der Ausstattung die Rede“, sagt Trapp. Seither wirbt die Schulleitung allenthalben um flexible Etat-Lösungen, die Abhilfe versprechen. Der Förderverein hilft mit: In Tiemanns Büro steht eine große Kiste voll Technik, gedacht zum Verteilen an Schüler.