Toleranz fängt bei Akzeptanz an



 

Das Jahr 2015 ist bald ein halbes Jahr alt. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine Schreckensmeldung in den Medien zu den aktuellen Krisengebieten: Bedrohung, Verfolgung, Vertreibung, Folter, Mord, geplante oder vollzogene Attentate und Anschläge im Namen der Religion fanden in der Vergangenheit und finden auch heute noch statt. Diese Vorgänge allein sind für uns, die wir hier „sicher“ leben, schwer nachvollziehbar und begreifbar und führen oftmals zu Gefühlen wie Zorn, Hass und Angst. Negative Gefühle, die in Deutschland von rechtsorientierten Gruppierungen gezielt ausgenutzt werden, um eine Spaltung in der Gesellschaft zu fördern. Gerade nach den Anschlägen in Paris war dies ein großes Thema unter den Schülerinnen und Schülern. Wie soll man mit seinen eigenen Gefühlen und Gedanken umgehen? Wie geht man am besten mit Aussagen von Schülerinnen und Schülern um, die Gewalt verherrlichen und rechtfertigen? Im Februar schuf die SV für die  Schülerschaft eine Plattform zum Austausch. Dort konnte man seine eigenen Wünsche und Ideen äußern. Schnell wurde deutlich, dass sich viele Schülerinnen und Schüler aktiv für eine friedliche Aktion einsetzen möchten. Das Handeln, nicht das „Rumreden“ stand für die Schülerinnen und Schüler im Vordergrund. Es waren gute Ideen dabei, die teilweise bereits umgesetzt wurden und noch werden.

Die meisten Schülerinnen und Schüler hatten sich für einen Friedensmarsch bzw. einen Schweigemarsch ausgesprochen. Deswegen haben wir uns sehr darüber gefreut, als uns die Realschule Heiligenhaus im Rahmen ihres 50jährigen Bestehens und der damit verbundenen Teilnahme an der europaweiten Friedensaktion „Engel der Kulturen“ einlud.

Die Friedensaktion wurde in der SV, in einigen Reli-, PP- und Kunst -Kursen vorgestellt und es fanden sich viele Interessierte, die mitmachen wollten. Aber was ist eigentlich der „Engel der Kulturen“? Der Engel wurde von den bildenden Künstlern Carmen Dietrich und Gregor Merten entwickelt und ist ein Friedenssymbol, welcher nur aus der Verbindung der drei religiösen Zeichen bestehen kann (Davidstern = Judentum, Kreuz = Christentum, Halbmond = Islam). Dieses Symbol soll den Wunsch vieler nach einem friedlichen, gleichberechtigten und verbundenen Leben der Menschen untereinander verdeutlichen, egal welcher Religion sie angehören. Damit der Friedensengel nicht nur ein Wunsch bleibt, haben es sich Carmen Dietrich und Gregor Merten zur Lebensaufgabe gemacht, aus dem Friedenssymbol eine Kunstaktion zu machen. Das Besondere an dieser Kunstaktion ist, dass diese nur dann zustande kommt, wenn BürgerInnen, VertreterInnen der Religionen und der Öffentlichkeit als Zeichen für den Einsatz des Friedens zwischen den Religionen an der Aktion teilnehmen. Damit macht jeder, der daran teilnimmt deutlich, dass er kein Hass und keine Diskriminierung gegen einen Angehörigen einer anderen Religion duldet! Die Kunstaktion besteht durch das Rollen der beweglichen Engelskulptur zu den verschiedenen Religionsgemeinschaften, dem Ablegen und Befüllen des Engels mit Sand, so dass ein Sandabdruck vom Engel entsteht und dem Herausschweißen eines Engels aus einer Stahlplatte. Während der äußere Umriss des Friedenssymbols als Intarsie vor dem Rathauseingang ins Pflaster eingelassen wurde, wird die innere Form des Engels aufbewahrt und zusammen mit den Engeln aus den anderen Städten zu einer neuen Skulptur aufgeschichtet und in Jerusalem ausgestellt. Mittlerweile waren die beiden Künstler mit ihrer Kunstaktion in über 70 Städten unterwegs, darunter auch in Ländern wie Ungern, Türkei, Serbien und Israel.

Am 23. April 2015 kam der Engel der Kulturen auch nach Heiligenhaus. Unsere Schule wurde durch 80 Schülerinnen und Schüler vertreten, die an der Kunstaktion stellvertretend teilnahmen. Nachdem der Engel bereits vor der Moschee, der kath. Kirche und dem Stolperstein Halt gemacht hat, kam dieser zur letzten Station, der evangelischen Kirche. Zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Frau Düsterhöft, planten unsere Schüler die Gestaltung und den Ablauf der Station. Der 11-er Kunstkurs von Frau Nykyforuk setzte sich mit dem Engel der Kulturen bildnerisch auseinander und stellte seine Bilder an der Fensterfront des evangelischen Gemeindehauses aus. Die Bilder gefielen den beiden Künstlern so gut, dass sie diese am Tag der Kinderrechte (23.09.2015) im Landtag ebenfalls ausstellen werden und luden den Kunstkurs dazu ein. Einige 11-er sprachen ein Friedensgebet und unter der Leitung von Frau Horn sangen die 6-er ein Lied. Nachdem der Sandabdruck vor der Kirche fertig gestellt wurde, hatten unsere Schülerinnen und Schüler die Ehre die bewegliche Skulptur zum Rathausplatz zu rollen. Dort folgten kurze Ansprachen von den religiösen und öffentlichen Vertretern. Zum Schluss durften jeweils drei Schüler von jeder weiterführenden Schule den Engel aus dem Stahl, unter Anleitung von Herrn Merten, schweißen.

Fotos: Julia Bours, Yusuf/ Artikel: Kevin Airivbere, N. Nykyforuk

 

 

 Rahmen ihres 50jährigen Bestehens und der damit verbundenen Teilnahme an der europaweiten Friedensaktion „Engel der Kulturen“